Anhang B: Freier Fall und Wurfparabel
B.1 Der freie Fall
Will man beschreiben, in welcher Höhe \(H\) sich eine fallende Kugel zur Zeit \(T\) befindet, wenn sie zur Zeit \(t_0=0\) in der Höhe \(H_0\) losgelassen wird, so wird dies durch das Fallgesetz beschrieben:
Die Geschwindigkeit \(v\) eines fallenden Körpers ist proportional zur Fallzeit \(t\) mit der Proportionalitätskonstanten \(g\) (bei Vernachlässigung der Reibung).
Wenn wir davon ausgehen, dass die Höhe über dem Erdboden positiv angegeben wird und die Geschwindigkeit nach unten wirkt, erhält man den funktionalen Zusammenhang
mit der Gravitationskonstanten \(g\approx 9.81\, m/s^2\).
Die Momentangeschwindigkeit \(v\) ist die zeitliche Ableitung des Weges \(s\), also
Daraus ergibt sich für den Weg
B.2 Die Wurfparabel
Ein Fußball werde vom Boden aus mit einer vorgegebenen Anfangsgeschwindigkeit unter einem vorgegebenen Winkel geschossen. Wie weit fliegt der Ball, bis er zum erstem Mal wieder auf dem Boden aufkommt und wie hoch kommt er, wenn wir die Reibung vernachlässigen?
Gegeben sei also der Winkel \(\alpha\), unter dem der Ball abgeschossen wird, und die Geschwindigkeit \(v\) zur Zeit \(t_0:=0\). Zunächst muss die Anfangsgeschwindigkeit \(v\) in ihre Komponenten zerlegt werden: Die zur Zeit t in x-Richtung zurückgelegte Strecke beträgt
Die zur Zeit t in y-Richtung zurückgelegte Strecke (ohne Berücksichtigung der Schwerkraft) beträgt
In y-Richtung wirkt zusätzlich die Schwerebeschleunigung g. Somit beträgt die Momentangeschwindigkeit zur Zeit t \(v_g(t)=g\cdot t\). Die aufgrund der Schwerkraft zurückgelegte Strecke in y-Richtung beträgt also
Die gesamte zur Zeit t in y-Richtung zurückgelegte Strecke beträgt also
Das Minuszeichen rührt daher, dass die Erdbeschleunigung nach unten wirkt.
Um nun zu bestimmen, wie weit der Ball fliegt, müssen wir herausfinden, bei welchem x-Wert y gerade null wird. Bisher haben wir aber nur Informationen darüber zu welcher Zeit, welcher x- bzw- y-Wert angenommen wird. Daher lösen wird die Gleichung für x nach t auf und setzen das Ergebnis in die Gleichung für y ein.
Nehmen wir mal an, dass wir denn Ball nicht senkrecht in die Höhe schießen, also \(\alpha \ne 90\,°\) ist, und \(\alpha \in [0,90[\) (damit gilt \(\cos\alpha\ne 0\)), so dürfen wir \(x= v \cdot \cos\alpha \cdot t\) zu
umstellen. Einsetzen ergibt
Man erhält also tatsächlich eine nach unten geöffnete Parabel. Die Schnittpunkte mit der x-Achse erhält man, indem man nun \(y=0\) setzt und nach \(x\) auflöst.
Man erhält die Lösungen \(x_0\)=0, den Abschusspunkt und
Um nun die maximale Flughöhe zu ermitteln, müssen wir den y-Wert an der Scheitelstelle \(x_s\) der Parabel ermitteln. Aus Symmetriegründen gilt \(x_s=x_e/2\) und die maximale Flughöhe \(y_s\) beträgt:
Zahlenbeispiel: Der Abschusswinkel sei \(\alpha=40\,°\), die Anfangsgeschwindigkeit \(v=50\,km/h\). Die Fallbeschleunigung beträgt auf der Erde \(g=9.81\,m/s^2\).
Zuerst muss die Geschwindigkeit in die richtigen Einheiten umgerechnet werden:
Einsetzen ergibt (Achtung: Winkel in Grad und nicht in Bogenmaß):
Der Fußball fliegt \(19.36\, m\) weit und erreicht eine maximale Flughöhe von \(4.06\, m\).
Betrachten wir nun den Fall, dass der Abschusspunkt nicht auf dem Boden, sondern in Höhe \(H\) vom Boden entfernt ist (Abbildung B.2).
Dann ist die Höhe des Balles durch
gegeben (vergleiche Gleichung B.1).
Man erhält die Flugweite, indem \(y(x)=0\) gesetzt wird und die Gleichung nach \(x\) aufgelöst wird. Es existieren zwei Lösungen, die man durch Lösen der quadratischen Gleichung erhält:
von denen die positive die gesuchte Flugweite \(x_e\) ist.
Für \(H=0\) erhält man wiederum das Ergebnis aus B.2.
Der Scheitelpunkt der Parabel liegt bei \(\frac{x_1+x_2}{2}\). Er ist unabhängig von \(H\):
Einsetzen von \(x_s\) in Gleichung B.4 ergibt die maximale Flughöhe (vom Boden aus gemessen):
B.2.1 Skalierung
Betrachten wir noch einmal den Wurf unter einem Winkel \(\alpha\) vom Erdboden aus. Die Bahngleichung ist nach B.1 durch
gegeben. Durch Skalierung (siehe auch Anhang H) kann man die festen Parameter \(g\) und \(v\) eliminieren. Mit
gilt
und damit
Durch die Skalierung sind die dimensionsbehafteten Größen \(x\) und \(y\) (mit der Einheit Meter) dimensionslos geworden.
B.2.2 Die Einhüllende
Schaut man sich die Graphen der Wurfbahnen zu verschiedenen Winkeln an, so erkennt man, dass die Graphen eine Einhüllende besitzen (gestrichelte Linie in Abbildung B.3).
Man erhält die Funktionsvorschrift der Einhüllenden, indem man die Schnittpunkte der Graphen zu den Winkeln \(\alpha\) und \(\alpha + \Delta \alpha\) betrachtet :
also
Für \(\Delta \alpha\) gegen null ergibt sich
Aus
ergibt sich
Dieses wird null für \(X=0\) (uninteressant) und für
also
Mit \(\cos^2 \alpha=\frac{1}{1+tan^2\alpha}\) ergibt sich durch Einsetzen in Gleichung B.6 die Einhüllende:



